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Intuition im Kontext

Möglicherweise war der Begriff nicht glücklich gewählt, aber Henri Bergsons Verständnis der Intuition als philosophische Methode trifft einen entscheidenden Punkt. Der Mensch versteht sich nicht, wenn er nicht den kognitiven Prozessen nachgeht, die Organismus, Gehirn, Bewusstsein, Sprache und Gesellschaft weniger verknüpfen als vielmehr trennen und unbestimmt aufeinander beziehen. Es geht um Vorgänge von einer trügerischen Einfachheit, so Bergson, denen man nicht durch das Studium philosophischer Texte, sondern nur dadurch auf die Spur kommt, dass man die Welt der Objekte und die Welt des Körpers in ihrer Mannigfaltigkeit ernst nimmt und zueinander in ein Verhältnis setzt, das schon deswegen als intuitiv gelten muss, weil kein überlieferter Begriff die Sache trifft.

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Polyphonie im Medium der Sprache

Eine erste Einheit der Differenz von fest und flüssig, von langage und langue, von Sprechen und Sprache ist die Kommunikation, in der Sprache und Sprechen grundsätzlich polyphon auftreten, indem jede aktuelle Aussage eine potentielle mitführt, von der sie sich gestützt weiß, die sie angreift oder zu der sie im nächsten Moment wechselt. In der individuellen Aussage sprechen nicht nur andere individuelle Aussagen, sondern auch ein Allgemeines, die Möglichkeit des Wechsels, von der und in der jede individuelle Aussage sich abgrenzt.

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Kleine Systeme?

Einschränkend muss ergänzt werden, dass die Theorie sozialer Systeme weder den Begriff des kleinen noch den des großen Systems kennt. Systeme sind immer klein und groß zugleich, insofern sie nichts anderes verhandeln als die Differenz lokaler Bezüge und globaler Referenzen. Je weniger globale Bezüge zu verhandeln sind, desto „kleiner“, nämlich arm an Themen werden die Systeme. Und je mehr sich die lokalen Bezüge angesichts globaler Referenzen behaupten müssen, desto „größer“, nämlich reicher an Themen werden die Systeme.

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4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt

Auf das Projekt der Moderne, die Inklusion der Gesamtbevölkerung in politische, rechtliche, wirtschaftliche, pädagogische und kulturelle Prozesse, folgt das Projekt der Digitalisierung, die Transformation analoger in diskret abzählbare, binär codierte, statistische auswertbare, maschinell berechenbare Prozesse. Die einen hoffen, dass das Projekt der Digitalisierung die Voraussetzungen dafür schafft, dass das Projekt der Moderne fortgeführt werden kann, indem es die Instrumente bereitstellt, die den Zugang aller zu allen Bereichen der Gesellschaft ermöglichen. Die anderen befürchten, dass es das Projekt der Moderne auf perverse Weise beendet, indem die Teilnahme aller an Gesellschaft nicht mehr eine Frage der individuellen Entscheidung, sondern der kollektiven Erfassung ist.

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Die Gesellschaft des Bordells

Eigentlich müsste die Prostitution zu den Lieblingsthemen der Soziologie gehören. Wo sonst kann man die Umstände einer zugleich flüchtigen und intimen Interaktion studieren?

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Vom “Auftrag” zur “Ungewissheit”

Hat der Rundfunk einen gesellschaftlichen Auftrag? Historisch kann man diese Frage nur mit Ja beantworten, doch ist sie damit auch prinzipiell beantwortet?

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Keine Lügen mehr? Eine Anmerkung zum Internet der Dinge

In seinem jüngsten Buch „Das terrestrische Manifest“ (Suhrkamp, 2018) stellt Bruno Latour fest, dass die aktuelle, immer noch moderne, das heißt weitgehend aufgeklärte, demokratische und marktwirtschaftliche Moderne durch zwei Gefahren bedroht wird, von denen man nicht weiß, welche größer ist. Die erste Gefahr ist der Klimawandel und die zweite dessen Leugnung durch mächtige Akteure der Weltgesellschaft. Read more…