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Kulturreflexion aus kultursoziologischer Sicht

April 14, 2015

7 Thesen
September 2014

  1. Menschen konstituieren und konstruieren ihre Welt in den Medien der Sprache, Töne, Bilder, Schrift, des Buchdruck und der elektronischen und digitalen Medien. Pflanzen, Tiere, Roboter (von Geistern, Göttern und Teufeln reden wir nicht mehr) konstituieren ihre Welt in partiell differenten Medien.*
  2. Menschen beschreiben, ordnen, reflektieren und verändern ihren Umgang mit der Welt in den Medien der Kunst (Anschauung), Philosophie (Begriffe), Wissenschaft (Funktionen), Technik (Kausalität), Praxis (Handlung), Politik (agreements to disagree) etc.
  3. Theorien der Systeme (stabile Ordnung in instabilen Elementen), Spiele (Wiedereinführung des Rahmens in die gerahmte Wirklichkeit), Netzwerke (Kalküle von Ungewissheit) und Formen (Wiedereinführung von Unterschieden in den Raum ihrer Unterscheidung) überbrücken die Unterschiede zwischen Kunst, Philosophie, Wissenschaft, Technik und Praxis.
  4. Eine Kulturanalyse greift im komparativen Mix quantitativer, qualitativer und interaktiver Datenerhebung auf die Methoden der funktionalen Analyse (Probleme und ihre Lösungen), Kalküle (Operationen und ihre Grenzwerte), Interpretationen (dichte Beschreibungen) und Interventionen (Design) zurück.
  5. Als Kultur gilt hier eine konditionierte und experimentelle Koproduktion von Sinn im Medium innovativ interpretierter Traditionen (Gedächtnis).
  6. Die Kultursoziologie ist eine Wissenschaft kognitiver Prozesse im Medium einer Pluralität komplexer Einheiten (Menschen, Organismen, Maschinen, künstliche Intelligenzen).
  7. Die Kultursoziologie steht im interdisziplinären Austausch mit den Geistes- und Sozialwissenschaften (Kultur und Gesellschaft), mit den Kognitionswissenschaften (epistemische Praktiken in Netzwerken), mit den Naturwissenschaften (Aufbau und Abbau von Ordnung im Zuge der Evolution), mit der Ökonomie (symmetrische und asymmetrische Gleichgewichte) und mit der Medizin (Heilkunde und ihre Regime).

 

*        “Medien” sind lose gekoppelte Mengen von Elementen unterschiedlicher Substanz (Materie, Geist, Leben, Sinn…), in die Dinge, Formen, Ideen, Handlungen, Institutionen eingeprägt werden können. Die Unterscheidung von Ding und Medium ersetzt Kants Unterscheidung von Vernunft und Ding an sich. Siehe Fritz Heider, Ding und Medium, Berlin 2005 [1926]; Niklas Luhmann, Erkenntnis als Konstruktion, Bern 1988.

One Comment
  1. “Politik” unter (2) ergänzt auf Nachfrage von dissent.is (@sms2sms) und Dominikus Herzberg (@denkspuren). Mit Dank.

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