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Arbeit an der Form | Working the Form

Call for Papers, deutsch und english

Soziale Systeme: Zeitschrift für soziologische Theorie 27 (2022)

Digitalisierung als Kalkül

Beim Design digitaler Medien spielen Wahrnehmung, Bewusstsein, Kommunikation, Organisation und Technik gleichermaßen eine Rolle. Es lohnt sich, die zugrundeliegenden Systemreferenzen zu unterscheiden. Die hier entwickelte Perspektive stellt dem eingeschränkten umgangssprachlichen Verständnis von Digitalisierung einen theoretisch kontrollierten Begriff gegenüber, fasst digitale Medien als besonderen Fall einer strukturellen Kopplung zwischen den angesprochenen Systemreferenzen und beschreibt ein Kalkül der differentiellen Integration dieser Systeme im Medium ihrer wechselseitigen Plastizität. Damit können implizit gängige Designpraktiken explizit gemacht werden und werden Lerneffekte sowie eine strategische und bei Bedarf ethische Kontrolle der beteiligten Systemreferenzen ermöglicht.

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Arbeit am Rechner

Der Aufsatz plädiert dafür, Prozesse und Projekte der Digitalisierung aus der Perspektive sozialer Systeme im Allgemeinen und organisierter sozialer Systeme im Besonderen zu untersuchen. Diese Systeme operieren in einer Umwelt, in der sich weitere selbstreferentiell geschlossene Systeme vorfinden, insbesondere Organismen, Gehirne, Bewusstsein und weitere soziale Systeme bis hin zur Gesellschaft. Digitale Medien können in diesem Rahmen als Mechanismen struktureller Kopplung zwischen Körper, Gehirn, Bewusstsein und Kommunikation verstanden werden. Der Aufsatz untersucht Visualisierung und Unterstützung, Register, Daten sowie Rechte & Pflichten als spezifische Ausprägungen der strukturellen Kopplung digitaler Medien mit dem Körper (inkl. Gehirn), dem Bewusstsein, der Kommunikation im Allgemeinen und der Organisation im Besonderen. Projekte der Digitalisierung an den Schnittstellen zwischen der Technik auf der einen Seite und geschlossen operierenden Systemen auf der anderen Seite müssen Anforderungen der Technisierbarkeit, der Teamfähigkeit, der Projektfähigkeit und der Intelligenz genügen, um digitale Medien mit Kausalität ausstatten, in der Organisation vertikal und horizontal vernetzen und mit dem Widerstand analoger Umwelten rechnen lassen zu können. Eine Tabelle zur Übersicht über die gewonnenen Kriterien einer digitalen Schnittstellengestaltung beschließt den Aufsatz.

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Technik im Datenraum

Technik ist nicht technisch, sondern gesellschaftlich komplex. Sie ist technisch kompliziert im Sinne einer unübersichtlichen Vielzahl zusammengesetzter Bestandteile, bleibt jedoch nicht nur synthetisch, sondern auch analytisch determinierbar. Man braucht Zeit, einem komplizierten Mechanismus auf die Spur zu kommen, aber es ist möglich. Gesellschaftlich komplex hingegen ist Technik dann, wenn sie nicht nur unübersichtlich, sondern unverfügbar ist. Man hat es mit einer Black Box zu tun, die man im Hinblick darauf, ob sie sich auf gewünschte oder nicht-gewünschte Weise verhält, „kontrollieren“, aber nicht „verstehen“ kann (Ashby).

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Form und Medium der Digitalisierung

Niklas Luhmann hat seinerzeit vorgeschlagen, den „aus der Computerbranche“ importierten Begriff der Digitalisierung zur Beschreibung struktureller Kopplungen zu verwenden, die ein System dazu befähigen, Information aus der Umwelt zu „ziehen“ und eigene Operationen anzuschließen.

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Digitalisierung an Schnittstellen: Form und Medien der Agilität

Agilität ist der Versuch, die Kontrolle zu behalten. Umzingelt von Projekten der Digitalisierung entwickelt der Produktionsbetrieb sein eigenes Format der Digitalisierung. Er reagiert mit Unterscheidungen auf Unterscheidungen, relationiert Relationen, konditioniert Konditionen. Digitalisierung muss zweimal verrechnet werden, einmal als Einführung elektronischer Medien, deren Design meist nicht in den Händen des Produktionsbetriebs liegt, und ein zweites Mal als Wiedergewinn eines rekursiv und reflexiv geschlossenen sozialen Systems aus strukturellen Kopplungen oder auch Schnittstellen gegenüber anderen Systemen.

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Die Individualisierung des Risikos

Wir haben es noch immer mit dem Anfang einer Pandemie zu tun, die erst zum Abschluss gekommen ist, wenn die sogenannte Herdenimmunität erreicht ist oder ein Impfstoff entwickelt worden ist. Aber mit der beginnenden Lockerung ist eine erste Phase beendet, und es beginnt eine zweite Phase, so die Kanzlerin in einer Pressekonferenz am 6. Mai (siehe Tagesschau vom 6. Mai 2020). Die strengsten Kontaktverbote werden aufgehoben, Läden und Gaststätten werden unter Hygienevorschriften wieder geöffnet, Gottesdienste finden wieder statt, Bibliotheken und Museen dürfen wieder besucht werden, sogar Theater und Konzerthäuser diskutieren über die Wiederaufnahme ihres Betriebs, im Sport wird mit „Geisterspielen“ ohne Zuschauer experimentiert. Währenddessen jedoch ist das Corona-Virus nach wie vor aktiv und bedroht die Lungenkrankheit Covid-19 vor allem ältere und schwächere Mitbürger.

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Die Digitalisierung der Arbeit

Eine der Zielsetzungen des Zukunftsprojektes „Industrie 4.0“ der Bundesregierung lautet, die „umfangreichen Schnittstellen“ zwischen IT-Systemen in der Arbeit, im Betrieb und zwischen Betrieben durch ein „durchgängiges System-Engineering über die gesamte Wertschöpfungskette“ zu ersetzen. Schnittstellen sollen so „bedienerfreundlich“ werden, dass sie tendentiell verschwinden. Im Rahmen dieser Zielsetzung untersucht das vom BMBF geförderte Forschungsvorhaben KILPaD die innovative Arbeit an Schnittstellen in einigen KMU-Partnerbetrieben des Maschinenbaus, der Möbelindustrie und der Robotik. Der Beitrag diskutiert soziologische Grundlagen für die Beschreibung und unterstützende Gestaltung von Schnittstellen.

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Ohne Abstand: Über die Gesellschaft und einen Begriff von der Gesellschaft in Zeiten des Kontaktverbots

Soziale Distanz ist das Gebot, gesteigerte Abhängigkeit von der Gesellschaft die Wirklichkeit. Gemeint ist physische Distanz bei direkten Begegnungen von Angesicht zu Angesicht. Aber gleichzeitig vernetzen wir uns elektronisch dichter als je zuvor, verfolgen gebannt die Nachrichten der Massenmedien, machen uns Sorgen um die Familie, die Freunde und die Kollegen. Von zuhause aus arbeiten wir weiter, wo auch immer es geht, kümmern uns um unsere Kinder, halten mit Videokonferenzen Kontakte aufrecht und stellen unsere Lehrpläne um auf digitale Formate. Es geht um ein Virus in der Größe von 125 Nanometer. Niemand weiß, wie verbreitet es tatsächlich ist. Repräsentative statistische Tests, die Auskunft geben könnten, fehlen. Alle anderen Zahlungen, sieht man von den positiv Getesteten, Toten und Geheilten ab, sind Schätzungen. Unser Körper wird zum Fluchtpunkt gesellschaftlicher Maßnahmen, die uns näher nicht rücken könnten. Das erklärt vielleicht auch die Klopapierpanik. Angesichts der viralen Attacke und eines intensivierten gesellschaftlichen Blicks, die vertraute Unterscheidungen in Frage stellen, treffen wir instinktiv dafür Vorsorge, dass sensible Grenzbereiche makellos in Ordnung sind.

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Die pulsierende Gesellschaft in Zeiten einer Pandemie

Der Charakter einer Gesellschaft bestimmt sich durch die Frequenz, mit der bestimmte Ereignisse in ihr auftreten. Grundsätzlich ist unter Menschen immer alles möglich. Doch Gesellschaften unterscheiden sich darin, was sie ermutigen und entmutigen. Die Gesellschaft bleibt dieselbe, doch die Frequenzen ändern sich.

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