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Über Marx’ Theorie des Kapitalismus aus Anlass des 150. Geburtstags des Erscheinens des ersten Bands des Kapital

Drei Sprachen hat der Literaturwissenschaftler Maurice Blanchot im Werk von Karl Marx identifiziert. In der Sprache des Philosophen schreibt Marx über jene Gesetze der Geschichte, nach denen das kapitalistische Entwicklungsstadium der menschlichen Gesellschaft so notwendig ist wie dessen Überwindung durch den Kommunismus, die endgültig humane Gesellschaft. In der Sprache des Revolutionärs bestimmt Marx seinen eigenen historischen Ort als einen Moment wenn nicht des Umsturzes des Kapitalismus in den Kommunismus, so zumindest der Gründung einer Internationale des Proletariats, die diesen Umsturz in absehbarer Zeit möglich macht. Und in der Sprache des Wissenschaftlers zweifelt Marx. Er zweifelt jedoch nicht an seinen Aussagen, sondern an der Rolle der Wissenschaft in diesem notwendigen Prozess der historischen Umwälzung.

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Europa im Widerspruch mit sich selbst

Im Vergleich der Kontinente untereinander herrscht kein Mangel an Reflexion über Europa. Swissbib, der Katalog aller Schweizer Hochschulbibliotheken, listet mit rund 121.000 Titeln fast doppelt so viele Publikationen über Europa wie über Afrika, dreimal so viele wie über Asien, sechsmal so viele wie über Australien und fast zehnmal so viele wie über Amerika.

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Vortrag auf den Thementagen „Erfindung Europa“, Schauspiel Frankfurt, Frankfurt am Main, 11. Februar 2017 blog

Die Performance in ihrem Element

Die Performance ist jene Kunstgattung, die sich die Freiheit nimmt, nicht nur Personen und ihrem Bewusstsein, nicht nur Menschen und ihren Körpern, nicht nur Gehirnen und ihren Vorhersagen, sondern ebenso Gegenständen und Atmosphären, Praktiken und Techniken, ja Lauten und Farben diese Subjektivität, diese Kunst der Verwerfung zuzurechnen, das heißt sie zu einem Du zu machen, das etwas zu sagen hat, sich aber auch verweigern kann und so nach eigenen Regeln mitzuspielen vermag.

Weiterlesen… in L. Aggermann, G. Döcker und G. Siegmund (Hrsg.), Theater als Dispositiv: Dysfunktion, Fiktion und Wissen in der Ordnung der Aufführung, Frankfurt am Main: PL Academic Research 2017

Von der Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen

“Und die Funktion von Kunst besteht für mich darin, die Wirklichkeit unmöglich zu machen – die Wirklichkeit, in der ich lebe, die ich kenne.” Diesen berühmt gewordenen Satz formulierte Heiner Müller 1977 in einem Gespräch mit Rainer Langhoff und anderen am Genfer See. Ein Jahr später arbeitet er an seinem Stück Der Auftrag: Erinnerung an eine Revolution, uraufgeführt 1980 an der Volksbühne Berlin. Es geht um das Schicksal französischer Revolutionsemissäre auf Jamaika, wo sich die revolutionären Hoffnungen zwischen “schwarzen Brüsten” erfüllen und erledigen zugleich. Was hat es mit dieser Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen, auf sich, wenn diese Wirklichkeit nicht nur jene ist, gegen die die Revolutionäre rebelliert haben, sondern auch jene, die sie selber hervorgerufen haben? Was hat es mit dieser Kunst, die Wirklichkeit unmöglich zu machen, auf sich, wenn diese Wirklichkeit eine ist, die auch die Revolutionäre zu ihrer Überraschung an sich selber erfahren?

Weiterlesen… online im Merkur 71, Nr. 813 (Februar 2017)

Die blanke Waffe

Mit der Wahl von Donald J. Trump zum 45. Präsidenten der USA legt die wählende Bevölkerung Amerikas – eine Mehrheit der Wahlmänner, keine Mehrheit der Wahlbürger – die blanke Waffe auf den Tisch…

Weiterlesen, in der Neuen Zürcher Zeitung vom 29. November 2016 und hier

Die vielfache Vertreibung aus dem Paradies

Seit der Einführung des Internets als World Wide Web spielt sich unter unseren Augen ein Medienwandel ab, der in seiner epochalen Bedeutung nur mit der Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks zu vergleichen ist. Zählt man nach dem Vorbild der Softwareentwickler, bekommen wir es nach der Stammesgesellschaft 1.0, der antiken Hochkultur 2.0 und der modernen Buchdruckgesellschaft 3.0 mit der digitalen Gesellschaft 4.0 zu tun. Die Null deutet an, dass es sich um eine historisch grobe Einteilung handelt.

Die digitale Gesellschaft ist das kybernetische Zeitalter der Rückkopplung auf Ebenen, die wir früher als Ebenen der Natur, der Kultur und der Technik voneinander unterschieden haben, jetzt aber als medial ineinander verwoben begreifen müssen.

Weiterlesen: NZZ vom 10. November 2016 und hier

The Value of Culture

This note opts for a strategic narrative approach instead of a soft power approach to consider cultural relations among countries. It defines cultural relations as relations focusing not on particular values of any one culture, national, regional, ethnic, linguistic or whatever, but on the value of culture in general: a second-order value which consists in encouraging culture contact, culture comparison and culture reflection, leaving to any audience a possible choice which values in what combination to adopt for their understanding of life, work or projects.

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