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Die Individualisierung des Risikos

Wir haben es noch immer mit dem Anfang einer Pandemie zu tun, die erst zum Abschluss gekommen ist, wenn die sogenannte Herdenimmunität erreicht ist oder ein Impfstoff entwickelt worden ist. Aber mit der beginnenden Lockerung ist eine erste Phase beendet, und es beginnt eine zweite Phase, so die Kanzlerin in einer Pressekonferenz am 6. Mai (siehe Tagesschau vom 6. Mai 2020). Die strengsten Kontaktverbote werden aufgehoben, Läden und Gaststätten werden unter Hygienevorschriften wieder geöffnet, Gottesdienste finden wieder statt, Bibliotheken und Museen dürfen wieder besucht werden, sogar Theater und Konzerthäuser diskutieren über die Wiederaufnahme ihres Betriebs, im Sport wird mit „Geisterspielen“ ohne Zuschauer experimentiert. Währenddessen jedoch ist das Corona-Virus nach wie vor aktiv und bedroht die Lungenkrankheit Covid-19 vor allem ältere und schwächere Mitbürger.

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Die Digitalisierung der Arbeit

Eine der Zielsetzungen des Zukunftsprojektes „Industrie 4.0“ der Bundesregierung lautet, die „umfangreichen Schnittstellen“ zwischen IT-Systemen in der Arbeit, im Betrieb und zwischen Betrieben durch ein „durchgängiges System-Engineering über die gesamte Wertschöpfungskette“ zu ersetzen. Schnittstellen sollen so „bedienerfreundlich“ werden, dass sie tendentiell verschwinden. Im Rahmen dieser Zielsetzung untersucht das vom BMBF geförderte Forschungsvorhaben KILPaD die innovative Arbeit an Schnittstellen in einigen KMU-Partnerbetrieben des Maschinenbaus, der Möbelindustrie und der Robotik. Der Beitrag diskutiert soziologische Grundlagen für die Beschreibung und unterstützende Gestaltung von Schnittstellen.

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Ohne Abstand: Über die Gesellschaft und einen Begriff von der Gesellschaft in Zeiten des Kontaktverbots

Soziale Distanz ist das Gebot, gesteigerte Abhängigkeit von der Gesellschaft die Wirklichkeit. Gemeint ist physische Distanz bei direkten Begegnungen von Angesicht zu Angesicht. Aber gleichzeitig vernetzen wir uns elektronisch dichter als je zuvor, verfolgen gebannt die Nachrichten der Massenmedien, machen uns Sorgen um die Familie, die Freunde und die Kollegen. Von zuhause aus arbeiten wir weiter, wo auch immer es geht, kümmern uns um unsere Kinder, halten mit Videokonferenzen Kontakte aufrecht und stellen unsere Lehrpläne um auf digitale Formate. Es geht um ein Virus in der Größe von 125 Nanometer. Niemand weiß, wie verbreitet es tatsächlich ist. Repräsentative statistische Tests, die Auskunft geben könnten, fehlen. Alle anderen Zahlungen, sieht man von den positiv Getesteten, Toten und Geheilten ab, sind Schätzungen. Unser Körper wird zum Fluchtpunkt gesellschaftlicher Maßnahmen, die uns näher nicht rücken könnten. Das erklärt vielleicht auch die Klopapierpanik. Angesichts der viralen Attacke und eines intensivierten gesellschaftlichen Blicks, die vertraute Unterscheidungen in Frage stellen, treffen wir instinktiv dafür Vorsorge, dass sensible Grenzbereiche makellos in Ordnung sind.

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Die pulsierende Gesellschaft in Zeiten einer Pandemie

Der Charakter einer Gesellschaft bestimmt sich durch die Frequenz, mit der bestimmte Ereignisse in ihr auftreten. Grundsätzlich ist unter Menschen immer alles möglich. Doch Gesellschaften unterscheiden sich darin, was sie ermutigen und entmutigen. Die Gesellschaft bleibt dieselbe, doch die Frequenzen ändern sich.

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A Sociological Reading of George Spencer-Brown’s Laws of Form

A sociological reading of George Spencer-Brown’s Laws of Form consists in reading it as a theory of the observer. The paper looks at the “cross” established by the calculus of indications as a universal operator of general, or reflective, negation, presents second-order observation as a means to introduce indeterminacy as a precondition to communication, and reads Spencer-Brown’s primary arithmetic and primary algebra as steps towards an understanding of the (socio-)logical space comprehending any arrangement and re-arrangement of indications and distinctions. A short overview of the history of the notion of “form,” or “idea,” as developed by Plato, disclaimed by Kant and Hegel, and employed by Marx, Simmel, and Cassirer shows that this notion from the beginning hides, and passes on, problems of self-reference and transcendental subjectivity. A way to deal with these problems may be shown by Spencer-Brown’s introduction of imaginary states within equations of the second degree. Imaginary states, or values, allow time, society, nature, and technology to be introduced as references accounting for, exploring, and exploiting the indeterminacy created by them.

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Selbstbeobachtung

Was hat es mit dieser Selbstbeobachtung auf sich? Sie bricht mit Verboten des Narzissmus und mit Geboten des Objektivismus. Sie bricht auch mit den Annahmen, dass Reflexion notwendig in einen infiniten Regress führt und allenfalls dort gestoppt werden kann, wo ein blinder Fleck einzugestehen ist, der nur ausgeleuchtet werden kann, wenn genau dafür ein neuer blinder Fleck in Kauf genommen wird. So hat es der Konstruktivismus gelehrt: Etwas beobachten kann man nur, wenn die Unterscheidung, die man dafür verwendet, im Moment der Verwendung nicht ihrerseits beobachtet wird.

Weiterlesen, v2 mit einer Überlegung zum Selbst der Selbstbeobachtung… pdf

Vortrag und Kolloquium in der Veranstaltungsreihe „Ver/öffent/lichen“ der Zürcher Hochschule der Künste, Zürich, voraussichtlich im Mai 2020.

Formular komplexer Form

Formulare sind von einer Ordnung bereitgestellte und im Rahmen dieser Ordnung verwaltete Texte mit Lücken, die von individuellen Fällen ausgefüllt werden, die von dieser Ordnung gesucht werden oder diese Ordnung in Anspruch nehmen. Formulare sind somit Metaphern, die Sachverhalte in Sachverhalte übersetzen. Der folgende Beitrag macht sich diese Definition für eine Beschreibung des Formbegriffs als Formular soziologischer und hermeneutischer Forschung zunutze.

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Manuskript eines Beitrags zur Tagung „Das Formular“ des österreichischen Bundesministeriums Öffentlicher Dienst und Sport sowie der Universität Siegen, Wien, 30.–31. Oktober 2019.