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Referentielles Theater

Die Akzente verschieben sich, doch Theater bleibt Theater. Es kann mit jeder deklamatorischen Geste, die ein Publikum findet, neu gestartet werden. Hatte das Theater in der Stammesgesellschaft vor allem eine rituelle Bedeutung der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Lebens, in der Antike vor allem eine reflexive Bedeutung der Befragung des komischen und tragischen Schicksals des Menschen in einer ebenso ungewissen wie gewalttätigen Gemeinschaft und in der Moderne vor allem eine repräsentative Bedeutung der Inszenierung fürstlicher und bürgerlicher Macht und Ohnmacht, so wird es in der aktuellen Gegenwart referentiell.

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Kapital, digital

Die Digitalisierung der Lebenswelt gibt Anlass, auch über das Prinzip der Kapitalrechnung noch einmal nachzudenken. Die Kapitalrechnung verdankt sich der Einführung der doppelten Buchführung, und somit verdankt sich der Kapitalismus der Unterscheidung zwischen Soll und Haben. Es ist die These der folgenden Überlegungen, dass sich mit der Digitalisierung die Chance ergibt, den Kapitalismus mit seinen eigenen Mitteln zu überwinden. Die Kapitalrechnung ist unter Bedingungen des Kapitalismus eine monetäre Engführung der Unterscheidung von Soll und Haben, deren tatsächliche Reichweite über das Feld der Ökonomie hinausreicht.

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Führung im System der Governance

Governance ist ein System der wechselseitigen Beobachtung von Organisationen. Governance ist ein System der Führung, in dem Führung darin besteht, die Abhängigkeit der einen Organisation von anderen Organisationen positiv und negativ, das heißt das eine annehmend und das andere ablehnend, zu gestalten. Governance ist ein System, das ohne die Reflexion auf die eigene Verantwortung für das Zustandekommen eines Systems nicht funktionieren würde. Ohne diese Reflexion ist Governance schlicht die neueste Variante eines Herrschaftssystems (Mayntz 2005); mit dieser Reflexion wird sie zu einer strategischen Variable der Gestaltung von Abhängigkeitsbeziehungen.

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Intuition im Kontext

Möglicherweise war der Begriff nicht glücklich gewählt, aber Henri Bergsons Verständnis der Intuition als philosophische Methode trifft einen entscheidenden Punkt. Der Mensch versteht sich nicht, wenn er nicht den kognitiven Prozessen nachgeht, die Organismus, Gehirn, Bewusstsein, Sprache und Gesellschaft weniger verknüpfen als vielmehr trennen und unbestimmt aufeinander beziehen. Es geht um Vorgänge von einer trügerischen Einfachheit, so Bergson, denen man nicht durch das Studium philosophischer Texte, sondern nur dadurch auf die Spur kommt, dass man die Welt der Objekte und die Welt des Körpers in ihrer Mannigfaltigkeit ernst nimmt und zueinander in ein Verhältnis setzt, das schon deswegen als intuitiv gelten muss, weil kein überlieferter Begriff die Sache trifft.

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Polyphonie im Medium der Sprache

Eine erste Einheit der Differenz von fest und flüssig, von langage und langue, von Sprechen und Sprache ist die Kommunikation, in der Sprache und Sprechen grundsätzlich polyphon auftreten, indem jede aktuelle Aussage eine potentielle mitführt, von der sie sich gestützt weiß, die sie angreift oder zu der sie im nächsten Moment wechselt. In der individuellen Aussage sprechen nicht nur andere individuelle Aussagen, sondern auch ein Allgemeines, die Möglichkeit des Wechsels, von der und in der jede individuelle Aussage sich abgrenzt.

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Kleine Systeme?

Einschränkend muss ergänzt werden, dass die Theorie sozialer Systeme weder den Begriff des kleinen noch den des großen Systems kennt. Systeme sind immer klein und groß zugleich, insofern sie nichts anderes verhandeln als die Differenz lokaler Bezüge und globaler Referenzen. Je weniger globale Bezüge zu verhandeln sind, desto „kleiner“, nämlich arm an Themen werden die Systeme. Und je mehr sich die lokalen Bezüge angesichts globaler Referenzen behaupten müssen, desto „größer“, nämlich reicher an Themen werden die Systeme.

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4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt

Auf das Projekt der Moderne, die Inklusion der Gesamtbevölkerung in politische, rechtliche, wirtschaftliche, pädagogische und kulturelle Prozesse, folgt das Projekt der Digitalisierung, die Transformation analoger in diskret abzählbare, binär codierte, statistische auswertbare, maschinell berechenbare Prozesse. Die einen hoffen, dass das Projekt der Digitalisierung die Voraussetzungen dafür schafft, dass das Projekt der Moderne fortgeführt werden kann, indem es die Instrumente bereitstellt, die den Zugang aller zu allen Bereichen der Gesellschaft ermöglichen. Die anderen befürchten, dass es das Projekt der Moderne auf perverse Weise beendet, indem die Teilnahme aller an Gesellschaft nicht mehr eine Frage der individuellen Entscheidung, sondern der kollektiven Erfassung ist.

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